Das Phänomen Runners High

Welcher Läufer kennt folgende Situation nicht? Man befindet sich im Training oder bei einem Wettkampf ist vollkommen erschöpft und weiß, dass man nur noch wenige hundert Meter vom Ziel entfernt ist. Obwohl die körperliche Leistungsgrenze bereits erreicht ist, spürt man plötzlich einen zusätzlichen Energieschub. Man fühlt sich frei und hat das Gefühl, dass man noch ewig weiterlaufen könnte. Experten sprechen an diesem Punkt auch vom so genannten "Runner's High", welches auch als Läuferhoch bekannt ist. "Das Runner's High" wird häufig auch als "Droge der Läufer" umschrieben, da es die Sportler zu Höchstleistungen antreibt und sie jeglichen Schmerz vergessen lässt. Doch wie kann es sein, dass der Körper trotz vollkommener Erschöpfung noch einmal einen zusätzlichen Leistungsschub bekommt? Wie kommt es zum Phänomen "Runner's High"?

Zusätzliche Endorphine treiben die Sportler an

Obwohl in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen herrschen, wenn es um die Entstehung des Läuferhochs geht, seit den 80er Jahren ist die Endorphin-Theorie am weitesten verbreitet. Studien haben belegt, dass die Läufer nach einem intensivem Training beziehungsweise kräftezerrenden Wettkampf einen höheren Endorphin-Gehalt im Körper haben, sodass eine höhere Endorphin-Ausschüttung definitiv stattfindet. Bei Endorphinen handelt es sich um so genannte "Glückshormone", welche den Körper antreiben und in einen Zustand voller Euphorie versetzen.

Eine ebenfalls mögliche Ursache des "Runner's High" besitzt einen psychologischen Hintergrund. Es wird in diesem Fall davon ausgegangen, dass das Laufen für die Sportler eine totale Ablenkung vom Alltag ist, sodass sie alles um sich herum vergessen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der transienten Hypofrontalitätstheorie. Wenn der Körper stark belastet wird, dann benötigt er mehr Sauerstoff. In dieser Theorie wird jedoch davon ausgegangen, dass dem Körper der erhöhte Sauerstoffbedarf nicht extern zugeführt werden kann und daher muss der Körper sein eigenes Sauerstoffkontingent "umverteilen". Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Körper einen Teil der Großhirnrinde, den präfrontalen Cortex, abschaltet. Dieser Teil des Gehirns ist für kognitive Prozesse zuständig wie das Denken zuständig, sodass der Körper in einen Automatismus gerät. Der Sportler läuft und läuft und vergisst dabei jeglichen Schmerz.

Abgesehen von den genauen Ursachen entsteht das "Runner's High" nur, wenn besonders intensiv gelaufen wird. Untersuchungen haben ergeben, dass Läufer mindestens 60 Minuten mit einer Intensität von ca. 80% der maximalen Sauerstoffaufnahme laufen müssen, bis es zur erhöhten Endorphin-Ausschüttung kommt. Auch wenn der Weg zum Läuferhoch nicht ganz einfach ist - wenn die "Droge der Läufer" dem Körper erst einmal verabreicht wurde, dann ist hinsichtlich der Laufleistung alles möglich. Hartes Training ist daher der beste "Dealer".